Zentrale Schmerzsyndrome
Was versteht man unter dem Begriff "zentrale Schmerzsyndrome"?
Zentrale Schmerzsyndrome sind auf eine Läsion (= Funktionsstörung) oder Dysfunktion (= Fehlfunktion) im zentrale n Nervensystem (ZNS) (= Gehirn, Rückenmark) zurückzuführen. Zentrale Schmerzsyndrome entstehen also nicht dort wo die, Sch merzen empfunden werden (z.B. Ar m oder Be in), sondern im Gehirn oder Rückenmark.
Wie entstehen zentrale Schmerzsyndrome ?
Diese Frage kann bis heute nicht definitiv beantwortet werden. Für die Forschung kommt erschwerend hinzu, daß sich nicht bei allen Patienten mit einer Läsion (= Funktionsstörung) oder Dysfunktion (= Fehlfunktion) im zentrale n Nervensystem zentrale Schmerzsyndrome ausbilden, auch können sich diese erst mit schwankender zeitlicher Verzögerung einstellen, in seltenen Fällen aber auch spontan (= ohne Behandlung) wieder abklingen.
Wie äußern sich zentrale Schmerzsyndrome ?
Zentrale Schmerzsyndrome betreffen in
der Regel häufig große Körperareale, Sch merzen
können allerdings auch nur
in einer Han d oder in einem Teil der
Han d auftreten.
Der Schmer
zcharakter wird von den betroffenen Patienten nicht einheitlich
angegeben. Überwiegend werden aber zentrale Schmerzsyndrome als brennend,
einschießend, zerreißend oder drückend empfunden.
Bei welchen Erkrankungen können zentrale Sch merzen auftreten ?
Schlagan fall (Apop lexie)
Mul tiple Sk lerose
Rückenmarkverletzung (Querschnit tslähmung)
Syringomyel ie
Trigeminusneuralg ie (hierbei liegt allerdings kein klassisches zentrale s Schmer zsyndrom vor)
Im Folgenden werden die aufgelisteten, zentrale Schmerzsyndrome betreffende Erkrankungen kurz erklärt. Weitere Informationen einschließlich Schmer ztherapie enthält die jeweilige Homepage, einfach den blau gefärbten Begriff anklicken.
1) Der Apoplex (Schlagan fall) ist gekennzeichnet durch ein neurologisches Defizit (= Ausfall von Nervenfunktionen), das perakut (= extrem heftig einsetzend) bis subakut (= mit nur schwach ausgeprägten Merkmalen) auftritt und auf eine Hirndurchblutungsstörung zurückzuführen ist. Für eine solche, zu einem Apop lex führende Durchblutungsstörung können zwei Ursachen infrage kommen:
Thrombotischer (= durch einen Blutpfropf verursachter) oder embolischer (= durch über die Blutbahn verschlepptes Material, z.B. Zellhaufen, kleine Blutgerinnsel, verursachter) Gefäßverschluß oder
Gefäßruptur (= Gefäßeinriss) mit nachfolgender intrazerebraler (= das Innere des Gehirns betreffende) oder subarachnoidaler (= den Raum unter der Hirnhaut betreffende) Blutung (Schlagan fall).
Nicht selten verbleiben nach einem
Schlagan fall
heftige Sch merzen
in der herdgekreuzten Körperhälfte (Hemialg ie), oft vorwiegend im
Ar m (ähnlich einer Brachialg ie) und
Be in. Die vorzugsweise brennenden
Dauerschmer
zen können sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine Al lodynie (= Schmer
zauslösung durch an sich nicht
schmer
zhafte Reize) vor. Fast regelmäßig besteht eine Hyperpat hie (=
verzögerte Reizantwort, der Schmer
z hält über Reizzeit hinaus an bei
insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Zugrunde liegen Läsionen (= Störungen, Schädigungen)
in schmer
zkontrollierenden Arealen des zentrale n Nervensystems (T halamus),
weshalb man in diesem Falle von einem T halamusschmer
z spricht. Dieser
Schmer
z gehört deshalb zur Gruppe der zentrale n Schmerzsyndrome.
2) Die
Multiple Sklerose
ist eine relativ häufige
Entmarkungskrankheit des zentrale n Nervensystems mit herdförmig regellos
verteiltem Markscheidenzerfall, perivaskulären (=
um Blutgefäße herum) Infiltraten,
gliösen Proliferationen (=
narbengewebsartiger Umbau) und
Nar
b
Es liegt ein exogen (= durch
äußere Ursachen) oder endogen
induzierter (= im Körper selbst
entstandener)
immunologischer
Prozeß vor. Die
Mul tiple Sk lerose tritt vorwiegend im 20. bis 50. Lebensjahr
auf.
Krankheitssymptome: pseudoneurasthenisches (=
ähnlich wie eine Schwäche, Erschöpfung des zentrale n Nervensystems) oder
rheumatisches Prodromalstadium (=
Vorläuferstadium),
Hirnnervenausfälle (retrobulbäre Neuritis (= Ner venentzündung hinter dem Augapfel)), Augenmuskellähmung, skandierende
(=
abgehackte, schleppende) Sprache,
spastische (= krampfartige) Lähmungen,
Kleinhirnsymptome (= Störung der
Bewegungsabläufe an Rumpf und B einen, Falltendenz),
Sensibilitäts- (= Empfindungs-),
Blasen- u. Mastdarmstörungen, Euphorie und später Demenz (=
Verlust erworbener intellektueller Fähigkeiten).
Der Verlauf ist schubweise mit Remissionen (=
vorübergehende Besserung) oder
chronisch-progredient (= langsam
zunehmend), bisher keine kausale
(= auf die Ursache gerichtete)
Therapie
möglich.
Zentrale Sch merzen
können
bei multipler Sklerose in vielerlei Gestalt auftreten.
3)
Über den Mechanismus der Schmer
zentstehung bei
einer Querschnit tslähmung ist wenig bekannt.
Nach Thoden (1987) klagen
50% aller Patienten mit traumatischen (=
verletzungsbedingten)
Querschnit tsläsionen über störende Mißempfindungen unterhalb der
Läsionsstelle (= Verletzungsstelle).
Immerhin 27% leiden unter Schmer zen, vorwiegend im Bereich der
Ex tremitäten
(=
Ar me
oder B eine).
Teilweise treten auch krampfartige, visze rale (= aus dem
Bau chraum
stammende) Schmer zen
auf.
Der Schmer
z, der bei einer kompletten (=
vollständige Durchtrennung des Rückenmarks)
Querschnit tslähmung im gelähmten Bereich auftritt, wird als Deaf ferenzierungsschmer
z
bezeichnet. Dieser Begriff bezeichnet einen Schmer z, der nach, bzw.
trotz Ausschaltung der sensiblen Impulse (Afferenzen (=
dem Zentralnervensystem zuströmende Erregung))
im ehemaligen Versorgungsgebiet des betroffenen Ner ven
oder Nervenstammes auftritt. Im Prinzip handelt es sich also um einen Phan tomschmer
z. Es hat sich
allerdings als zweckmäßig erwiesen, den Begriff "Phan tomschmer
z"
nur dann zu verwenden, wenn ein (Teil-) Verlust einer Ex tremität (=
Ar m
oder B ein)
vorliegt.
Auch vom Verletzungssegment selbst kann ein Schmer z ausgehen, der oft auf eine Instabilität zurückzuführen
ist. Diese
Instabilität kann chirurgisch behoben werden.
Bei einer inkompletten (= unvollständigen Durchtrennung des Rückenmarks)
Querschnit tslähmung
können Sch merzen
auch vom verletzten / gestörten
Rückenmark ausgehen und peripher
(= im äußeren Körperbereich) empfunden
werden, es liegen dann sog. zentrale Sch merzen
vor.
4)
Die
Syringomyel ie als "genuine" (=echte)
Form ist eine Krankheit des Rückenmarks als Folge einer Dysrhaphie (=
eine Entwicklungsstörung des Rückenmarks) aus der eine Zerstörung
von Rückenmarkgewebe mit Ausbildung langgestreckter Höhlen- und Spaltbildungen
in der grauen Substanz resultiert (Hinterhornbasis, später auf Seiten- und
Vorderhörner übergreifend) sowie Gliawucherung (=
Wucherungen im Stützgewebe des Nervensystems).
Die Syringomyel ie beginnt
im mittleren Lebensalter, betrifft meist das Hals- und Brustmark, selten den
Hirnstamm (Syringobul bie) oder lumbosakrale (= Übergang von
der Lendenw irbelsäule
zum Kr euzbein
betreffende)
Rückenmarksbereiche.
Da die Syringomyel ie hauptsächlich Hals- und Brustmark der Wir belsäule befällt, projizieren sich Sch merzen überwiegend in den Plexus brachialis (= Armnervengeflecht) und führen so zum Schmer zbild einer Brachialg ie (= Ar mschmer zen), teilweise auch (fälschlicherweise) als Armneuralg ie bezeichnet. Es liegen sog. zentrale Sch merzen vor.
5) Die Trigeminusneuralgie ist gekennzeichnet durch anfallsartige
Schmer
zat tacken mit maximaler Stärke und überwiegend kurzer Dauer (Sekunden).
Der Schmer
zbereich deckt sich mit dem Ausbreitungsgebiet des betroffenen Nervenastes. Die Attacken können auch durch physiologische, taktile
(= den Tastsinn betreffend), thermische
oder propriozeptive
(= den Eigenreflex betreffende)
Reize
ausgelöst werden. Häufige Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen) sind
bei der (echten) Trigeminusneuralg ie Kauen, Sprechen oder bestimmte
Gesichtsbewegungen, die Berührung bestimmter Hautareale, die Einwirkung von
Wasser oder generell Kälteexposition. Meistens sind bei der Trigeminusneuralg ie
Triggerpunkte bzw. Triggerzonen identifizierbar. In der Regel treten die
Attacken streng einseitig auf (5% beidseitig) und überwiegend im 2. und 3. Ast
(ca. 4% 1. Ast) (Thoden 1987).
Da die Schmer
zsymptomatik vom Gehirn ausgeht, gehört diese im Prinzip
ebenfalls
zur Gruppe der zentrale n Schmerzsyndrome, wenngleich sich
Trigeminussch merzen
von den zuvor beschriebenen
Schmer
zbildern doch deutlich unterscheiden.
Wenn zentrale Schmerzsyndrome längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
A
Ablatio mammae,
Algodystrophie,
Allodynie,
Amputation,
Armamputation,
periphere arterielle
Durchblutungsstörung,
arterielle
Verschlußkrankheit,
Arthralgie,
Arthrose (1),
Arthrose (2),
Arthrose im
Schultergelenk,
B
Bandscheibenprotrusion,
Bandscheibenvorfall,
Bandscheibenvorwölbungen,
Bechterew Krankheit,
Bechterew Syndrom,
Beinamputation,
Bein-offenes,
Beschleunigungstrauma,
Bing-Horton-Syndrom,
Blasenentzündungen,
Brachialgia paraesthetica,
Brachialgien,
Brustamputation,
Brustoperation,
Bursitis,
Bursitis infrapatellaris,
Bursitis praepattelaris,
BWS-Syndrom
C
Carpaltunnelsyndrom,
cerebraler Insult,
Chondropathie,
Coccygodynie,
Colitis,
Colitis-ulcerosa,
Colitis ulzerosa,
Colon-irritabile,
Costen Syndrom,
Coxarthrose,
Craniomandibuläre Dysfunktion,
CRPS,
D
Dorsalgie,
Dysästhesien,
Dyspepsie,
Dystrophie,
Dystrophie-Syndrom
E
Encephalomyelitis,
Engpaßsyndrome,
Enteritis,
Enteritis regionalis Crohn,
Enteritis regionalis,
Entzündung
der Kieferhöhle,
Entzündung
von Schleimbeitel, chronische
Entzündung der Stirnhöhle,
Enzephalomyelitis, Encephalomyelitis,
Epikondylitis,
Epicondylopathia,
Epicondylitis,
Erythromelalgie,
F
Facettensyndrom,
Fasciitis,
Fersensporn,
Fibromyalgie (1),
Fibromyalgie (2),
Fibromyalgie (3),
Fibromyalgie-Erkrankung,
Fibromyalgie-Syndrom,
Fibrositis-Syndrom,
Frozen Shoulder,
G
Gastralgie,
Gehirnblutung,
Gehirnschlag,
Gelenkentzündungen,
Gesichtsrose,
Gleitwirbel,
Glossopharyngeusneuralgie,
Golferellenbogen,
Gonarthrose,
Gürtelrose
H
Haglundferse,
Halbseitenlähmung,
Handgelenksarthrose,
Hemikranie,
Herpes zoster,
Hörsturz,
Hüftarthrose,
Hüftgelenkarthrose,
Hüftgelenksentzündung,
HWS-Syndrom,
Hyperästhesie,
Hyperalgesie,
I
Impingementsyndrom, Insertionstendopathie,
Intermediusneuralgie,
Ischialgie, Ischias,
Ischiassyndrom,
Ischiolumbalgie
K
Kalkaneodynie,
Karpaltunnelsyndrom,
Kniearthrose,
Kniegelenkarthrose,
Koccygodynie,
Kokzygodynie,
Kolitis,
Kolitis ulcerosa,
Kolon irritabile,
Kompressionssyndrom, Knochenentzündungen,
Krämpfe in den Waden,
Krämpfe in der Wade,
Kraniomandibuläre
Dysfunktion,
Koxarthrose,
Krebserkrankung,
L
Lumbalgie,
Lumboischialgie,
LWS-Syndrom,
Lyme-Krankheit,
Lyme-Borreliose,
Lymphödem,
Lymphödeme
M
Magenschleimhautentzündung,
Mastodynie,
Metatarsalgie,
Migräne (1),
Migräne (2),
Mononeuropathie, Morbus
Bechterew,
M. Crohn (1),
Morbus Crohn (2),
Morbus-Krohn,
Morbus Scheuermann,
Morbus Sudeck,
Morton Neuralgie,
Multiple
Sklerose,
Myalgie,
N
Nacken-Zungen-Syndrom,
Nasoziliarneuralgie,
Nebenhöhlenentzündungen,
Neck-tongue-Syndrom,
Nervenentzündung,
Nervenkompressionssyndrom,
Nervenwurzelkompressionssyndrom,
Neuralgie,
Neuralgische
Schulteramyotrophie, Neuritis,
Neuroborreliose,
Neuropathien,
O
Offene Beine,
offenes Bein,
Okzipitalsyndrom,
Omalgie,
Osteochondrose,
Osteochondrosen,
Osteochondrosis,
Osteoporose,
P
Paraparese, Paraplegia,
paroxysmale
Hemikranie, Pelvipathie,
Periarthritis,
Periarthropathia humeroscapularis,
Periarthropathie,
periphere arterielle
Durchblutungsstörungen,
periphere arterielle Verschlußkrankheiten, Polymyalgia,
Polyneuropathien,
Postherpetische Neuralgie,
Postdiskektomie-Syndrom,
Postdiskotomie-Syndrom,
Postnukleotomie-Syndrom,
Postthrombotisches Syndrom,
Postzosterneuralgie,
Postzosterische
Neuralgie, Processus
styloideus-Syndrom,
Proktodynie,
Pronator teres-Syndrom,
pseudoradikuläre
Syndrome,
Pudendusneuralgie
Q
Querschnittlähmung,
Querschnittläsion,
Querschnittsläsion,
Querschnittssyndrom
R
Radikuläre Syndrome,
Raynaud,
Reflexdystrophie,
Reizdarm,
Reizdarm-Syndrom,
Reizdarmsyndrom,
Reizkolon,
Restless legs,
Restless-legs-Syndrom,
S
Sakralgie,
Sakroiliitis,
Sakroiliakalgelenk,
Schaufensterkrankheit,
Schiefhals,
Schleimbeutelentzündung,
Schleudertrauma (1),
Schleudertrauma
(2),
Schulter-Arm-Syndrom,
Schultergelenkarthrose,
Schultergelenksenzündung,
Schultergürtelkompressionssyndrom,
Sehnenentzündung,
Sehnenscheidenentzündung,
Sinusitis frontalis,
Sinusitis maxillaris,
Skalenussyndrom,
Skoliose,
Spondylarthropathie,
Spondylarthrose,
Spondylarthrosen,
Spondylitis ankylopoetica,
Spondylolisthesis,
Spondylose,
Sprunggelenksarthrose,
Sudeck,
Sudeck Syndrom,
Sympathalgie, sympathische
Reflexdystrophie,
Symphysen-Syndrom,
Syndrom des Ischias,
Syndrom des
Skalenus,
Syringomyelie
T
Tendinose,
Tendopathie,
Tendomyopathie,
Tendovaginitis,
Tenosynovitis,
Tennisarm,
Thorakalsyndrom,
Thrombangiitis,
Tietze-Syndrom,
Trigeminus-Neuralgie,
Trigeminusneuralgie,
U
Überlastungssyndrome,
Ulcera cruris,
Ulcus cruris,
Ulkus
cruris,
V
Verschlußkrankheit,
Vertebralsyndrom,
Verwachsungsbauch,
venöse Durchblutungsstörung,
W
Wadenkrämpfe,
Wadenkrampf,
Weichteilrheumatismus,
Wirbelsäulensyndrom,
Wurzelkompressionssyndrome,
Wurzelreizsyndrom,
Wurzelsyndrom
Z
Zephalgie,
zentrale Schmerzsyndrome,
Zervikalgie,
Zervikobrachialgie,
Zoster-Neuralgie,
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